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Libertäre Rundschau

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Norbert Lennartz:

Freiheit die ich nicht meine

Über die Sinnlosigkeit dieses Begriffes

Freiheit die ich nicht meineFreiheit erscheint mir ein sinnloser Begriff. Welche »Frei-Heit« zu was sollte gemeint sein? Die Freiheit, in das Leben anderer einzugreifen? Das ist eine politische Freiheit. Und diese wird organisiert und bildet ein neues Gebilde, das man Staat nennt. Diesen Unsinn des Führens und Organisierens hatte Jiddu Krishnamurti schon widerlegt. Ich berichtete.

Den Laisse faire Gedanken politisch zu organisieren, bedeutet ebenfalls eine Sein/sollen-Dichotomie – weg von der Wahrheit, hin zum Geist irgendeiner bornierten »Freiheit«. Und ganz borniert ist es, wenn davon auch noch »mehr« erwartet wird – ein rein politischer Gedanke wie mehr Freiheit, mehr Demokratie oder mehr netto – ähnlich wie in der Nationalhymne, in der es heißt: Einigkeit und Recht und Freiheit. In dieser Kombination machen die Begriffe überhaupt keinen Sinn. Tatsächlich müsste es heißen: Einigkeit, Unrecht, Unfreiheit.

Es ist eine Problem der Sprache: sinnlose Begriffe führen uns in ein Spiel, das wir gar nicht spielen wollen. Wir dürfen uns daher nicht von solchen Begriffen verführen lassen. Ansonsten ist eine sinnvolle Verständigung unmöglich. Und das ist wirklich fundamental wichtig.

Geht es überhaupt um etwas Freies? Um was geht es? Diese Frage muss gestellt werden! Wenn die Welt ist wie sie ist (nicht gut, nicht schlecht), dann funktioniert sie auch so wie sie ist, egal ob sie frei ist oder sonst etwas. Das gleiche trifft auf uns zu. Wir sind wie wir sind (nicht gut, nicht schlecht) und wir funktionieren auch so wie wir sind – nach dem selben Bauplan der Teilchen, die die Ursuppe vorgibt. Wir funktionieren also als Mensch, der wir gerade sind. Und wir sind nicht frei darin, diese Ordnung/ Programmierung/ Struktur/ Logik/ Natur unseres Bauplanes beliebig zu ändern. Wir können zum Beispiel kein Pferd sein. Und ein zahmes Pferd will auch nicht in der Steppe frei sein. Es kommt wieder nach Hause. Es ist ganz zufrieden auf einer guten Wiese und nachts im Stall mit etwas besserem Futter zur Belohnung. Frei zu sein, hat dieses Pferd nicht im Sinn. Es will eine artgerechte, komfortable Umgebung. Und wenn wir es ehrlich nehmen, dann suchen wir auch nur eine artgerechte, komfortable Umgebung. Man lässt sich aber leicht täuschen wie die Tiere auf dem Bauernhof in George Orwells dystopischer Fabel.

Nehmen wir an, Hasen wären begabt genug, um zu sagen: Der Hase ist dem Hasen sein Wolf, also gründen sie einen Staat für Hasen. Doch andere Hasen finden die Idee überhaupt nicht gut. Dann gibt es die eine Gruppe Hasen, die dies sein wollen, und die andere Gruppe, die jenes sein will. Aber in der ersten Gruppe von Hasen binden sich welche eine rote Krawatte um und bestimmen, dass alle Hasen Teil ihres Gesellschaftkonzepts sein müssen. So kann diese Gruppe von Hasen das sein, was sie glaubt zu sein, und die anderen Hasen werden MitBürger/MitHasen in diesem Konzept.

Nun mag man sich in der ersten Gruppe geirrt haben, über das was man ist, aber es ist ihr Konzept, welches sie verehren, und sie fühlen sich nur so glücklich. Wenn die zweite Gruppe  einen Moment nicht aufpasst und schwach ist, setzt die erste Gruppe Hasen das durch und sagt zu den anderen Hasen, es wäre nur zu ihrem Besten. Nun erwidert ein Hase aus der zweiten Gruppe zu einem aus der ersten: Du bist wohl Sozialist. Freut sich dieser Hase über seine Bezeichnung, identifiziert er sich damit, dann ist er es auch. Er geht dem nach, was er ist, und soweit hat das dann auch seine Berechtigung für den ersten Hasen. Fühlt er sich aber beleidigt, will also eigentlich gar kein Sozialist sein, dann diskriminiert er den Sprecher, denn nur so kann er seine Selbstverleugnung aufrechterhalten, die ihn tatsächlich glücklich macht. Exakt so ist das bei Menschen. Friedrich Schiller schrieb einmal (in „Die Räuber“): „Armer Hase! Es ist doch eine jämmerliche Rolle, der Hase sein zu müssen auf dieser Welt – Aber der gnädige Herr braucht Hasen!"

Viele lassen sich ja sogar zusammen mit anderen von einem Staat halten, weil sie glauben, das wäre artgerecht und komfortabel. Aber andere finden das für sich selbst nicht angemessen. An dem Punkt bräuchte es schon etwas Freiheit, aber nur um der Artgerechtheit, dem Sein-was-man-ist, wegen. Verspüren wir dieses Sein-was-man-ist nicht, dann sind wir unglücklich, weil es, die Ordnung unserer mentalen Gefühlswelt in dem stört, dass wir sein können, was wir sind.

Wir brauchen nicht alle Optionen, um in jeder Hinsicht frei zu sein. Ich muss zum Beispiel in diesem Jahr nicht frei sein, um den K2 zu besteigen. Im Gegenteil, ich bin ganz froh, dass ich mich nicht darum kümmern muss. Ein Bergsteiger mag das wieder anders sehen. Aber Freiheit ist dafür die völlig falsche Kategorie, um das zu beschreiben.

Aus dem selben Grund ist es auch zu borniert, zu untersuchen, ob man einen freien Willen hat. Die Untersuchungen von diesem Physiologen Benjamin Libet sind so gesehen auch völlig borniert. Es gibt keine Beobachtung ohne Beobachter. Man kann sich also nicht als Beobachter herausnehmen. Ansonsten wäre das, als täte man, man sei Gott. Dabei ist es so einfach, dass ich bin, was ich bin. Dass ich nur meiner Natur und der Wahrheit nachkomme und, dass ich nicht einfach ausbrechen kann aus meiner Natur und aus der Wahrheit, sondern es ist mein Glück, wenn ich die Natur und die Wahrheit erfüllen kann, denn dann ist das Heilige, was die Bornierten in ihren falschen Geistern pflegen, in mir und mit mir.

Vgl.: https://www.youtube.com/watch?v=C_TYzxB378Q


 

 
Erstellt am 01.07.2017, alle Rechte beim Verfasser.  
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